TRITTBRETTFAHRER AM MARKT

Schriftdolmetschen ist ein wichtiger, sinnvoller und vor allem aufstrebender Beruf, der Menschen mit Hörbeeinträchtigung eine wertvolle Unterstützung im Alltag, im Beruf, bei der Ausbildung usw. bietet.

Daher ist es eigentlich verwunderlich, dass wir uns neuerdings mit unschönen Themen wie Trittbrettfahrern auseinandersetzen müssen, die als Schriftdolmetscher auftreten, unter diesem Titel Aufträge durchführen, jedoch keine Zertifizierung dafür vorweisen können.

Zertifizierte Schriftdolmetscher sind an Lob gewöhnt. Das freut das kleine aber feine Team besonders. Anerkennende Worte sind nicht nur eine Wertschätzung dem Team und seiner Tätigkeit gegenüber sondern ebenso eine großar­tige Bestätigung über die gelieferte Qualität und das unermüdliche Engagement sowie die Quelle der Motivation. Das Team schätzt die Offenheit und die Treue seiner Klienten sehr und war überaus betroffen, als eine Beschwerde ins Haus „flatterte“:

Die Qualität der Schriftdolmetschung war einfach schlecht! Teilnehmer im Publikum haben über die Live-Mitschrift sogar gelacht!

Beschwerden durch Leistungen von Trittbrett­fahrern 

Eine massive Beschwerde erreichte uns und schlug Aufregungswellen in der Szene. Das ist mehr als ungewöhnlich!

Menschen mit Hörbeeinträchtigung, die ein Event besuchten, beklagten sich darüber, dass eine Schriftdolmetscherin dort tätig gewesen sei, die nicht als zertifiziert gelistet sei.

Gleichzeitig alterierten sich die Besucher der Ver­anstaltung über die Qualität des Schriftdolmetsche­ns. Eine äußerst unschöne Neuheit!

Unsere Nachforschungen und Erkundigungen ergaben, dass die dreistündige Veranstaltung tatsächlich von einer Person – alleine (!) –beglei­tet wurde.

Zertifiziert ist diese Person nicht, daher auch nicht Teil des Teams. Die Beschwerde, die uns erreichte, betrifft uns deswegen generell nicht. Jedoch: Der Ruf der zertifizierten Dolmet­scher ist gut und das soll auch so bleiben!

Imageschaden durch „Fälschungen“

Die Zertifizierung gilt als Qualitätsnachweis. Nicht umsonst müssen sich Berufskollegen alle einein­halb Jahre einer Nachzertifizierung unterziehen, nämlich um zu bestätigen, dass sie den hohen Anforderungen nach wie vor gerecht werden. Szenen wie die vor einigen Wochen, daraus resultierende Beschwerden und nicht zuletzt ein großer administrativer Aufwand sollen dadurch vermieden werden.

Der Beruf ist zu neu, um sich solche Fauxpas leisten zu können. Ein Imageschaden – der noch dazu von außen herbeigeführt wird und mit uns nichts zu tun hat – wird nicht tole­riert.

Folgen bei Voraussetzungsmängeln

Basisvoraussetzungen für die Ausübung des Be­rufes sind u.a. >400 ZpM (Zeichen pro Minute).

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein lang­samer Sprecher mit >400 ZpM spricht, ein mittel­schneller Sprecher bei 600–700 ZpM liegt und ein Schnellredner bei 1.000+ ZpM, kann man nach­vollziehen, dass bei einer Schreibleistung von unter 400 ZpM Beanstandungen die natürliche Folge eines Schriftdolmetsch-Settings sein müssten. Ist ein Schreiber in der Zusammenfas­sung des Gesprochenen nicht geübt, wird ebenso keine zufriedenstellende Mitschrift gewährleistet sein.

Qualitätserfüllung

Schriftdolmetsch-Settings, die länger als 60 Minuten dauern, werden aus Gründen der zu erwartenden und geforderten Qualität und der notwendigen Konzentration immer von zwei Schriftdolmetschern, d.h. im Doppelsetting, angeboten und durchgeführt.

Arbeitet ein Dolmetscher, kann sich der andere geistig und körperlich ein wenig erholen, jedoch wird er niemals „komplett abschalten“.

Der gerade scheinbar untätige Dolmetscher „sagt seinem Kollegen ein“, sobald er bemerkt, dass entweder schwierige Fachtermini oder Zahlen und Eigennamen genannt werden.

Auf dieses Einsagen sind Berufsvertreter so sehr fokussiert, dass die oben genannten Termini normalerweise automatisch ihre Aufmerksamkeit erregen. Sofort notiert er diese in seinem eigenen Computer – für den Co-Dolmetscher gut sichtbar – der sich dadurch z.B. eine Auflistung von Daten und Jahreszahlen nicht merken muss, sondern sie bequem vom Bildschirm des Kollegen ab­schreiben kann, während er sich bereits die näch­sten Textpassagen merkt, um sie für sein Klientel zu verschriftlichen.

Nach spätestens einer Stunde durchgängigen Dolmetschens können nicht nur Ermüdungser­scheinungen auftreten sondern auch Schmerzen in Fingern und Armen. Nackenverspannungen und daraus resultierende Kopfschmerzen, die wiederum die Merkfähigkeit beeinträchtigen kön­nen, mögen ebenfalls Folge von zu langen Einsatzzeiten sein.

Deswegen ist es wichtig, die Vorgaben, die im deutschsprachigen Raum vorgegeben sind, ein­zuhalten.

Missverständnisse vermeiden

Um jeglichen Missverständnissen entgegenzuwir­ken und um die gewohnte Qualität zu erhalten, wenden Sie sich bitte direkt an uns.

Der 4. Lehrgang hat begonnen

Ende April hat der vierte Ausbildungslehrgang begon­nen, wobei Gudrun Amtmann als Dozentin für die Schriftdolmetsch-Settings und die Schnellschreibtrainings verantwortlich ist. Die Wienlastigkeit ist ein klein wenig unter­brochen, denn zwei der Damen kommen aus bzw. leben in Bundesländern: Tirol und Niederöster­reich/Mariazellerland (Renate Amtmann), wo das bestehende Team wegen der geographischen Lage, der fehlenden Dolmetscher in diesen Gebieten und des hohen Reiseaufwands sehr gut Unterstützung benötigen kann. Durch Anpassungen im Lehrplan schauen wir zuversichtlich der nächsten Generation gut ausgebildeter Schriftdolmetschkräfte entgegen.

Buchung für Schriftdolmetschaufträge

E-Mail: gudrun@amtmann.at
Telefon: 0676 330 18 95